Flut und Ebbe

Seit mehreren Jahren finde ich diese zyklischen Feiertage albern. Silvester, Geburtstag, Ostern, Weihnachten. Das ist mir schon ziemlich willkürlich und irgendwie nicht so wichtig.
Aber ich erkenne auch an, dass sie einen gewissen Anteil an der Gesellschaftsbildung haben. Also an einer Form des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der aus gemeinsam gelebten Bräuchen entsteht.
In mir reifte der Entschluss diese gemeinsamen Feiern mit einer eigenen Bedeutung anzureichern, damit es mir leichter fällt mich daran anzugliedern.

So habe ich letztes Jahr ein Jahres-Motto für mich ausgerufen. Im weitesten Sinne lautete es “don’t eat shit”. Also im Sinne von “sich nicht alles gefallen lassen” oder “aktiv zurück schlagen, nicht nur wegducken”.
Im Nachhinein betrachtet war das eine gute Ansage. Im Rahmen meiner Möglichkeiten hat sie ausreichend viel bewirkt und mich auf einem guten Pfad gehalten. Aber es war anstrengend permanent mit einer kurzen Zündschnur bereit zu sein um zu explodieren. Vieles ist liegen geblieben. Ich bin deutlich überanstrengt aus dem Jahr gegangen.

Dieses Jahr werde ich daher unter anderem Vorzeichen angehen.
Mir schwirren gerade drei Begriffe im Kopf herum, die sich als Jahres-Motto etablieren wollen.
Resignation.
Introspektive.
Fokussierung.

Noch sind die Teil einer etwas größeren Wortwolke, aber ich glaube, diese drei Begriffe umreißen mein Jahresmotto vorerst ganz gut.

Mal schauen was da kommt.

Sir Captain Picard

Patrick Stewart will “sein Lebenswerk” als Captain Picard schützen. Ich bin selbst mit TNG aufgewachsen und empfinde das als einen sehr weisen Zug. Discovery ist hübsche Sci-Fi aber kein Star Trek.
Gerade Picard verkörpert den Wert von Bildung wie kein Zweiter und ist einer der letzten Eckpfeiler eines großen Geschichten-Universums der noch nicht von moderner Marktlogik kaputt-recycelt und korrumpiert wurde. Wenn der Schauspieler den Wert seiner Figur selbst erkennt und langfristig sichern möchte, ist das für mich ein positives Zeichen.

Im Zusammenhang damit fällt mir sein Beitrag zur “ice bucket challenge” ein – er sitzt in seiner Bibliothek am Tisch, hat einen großen Sektkühler neben sich stehen und unterschreibt nach einem kurzen Lächeln in die Kamera einen Spendenscheck.

(via https://de.ign.com/m/star-trek/132110/news/patrick-stewart)

Frage zur Agilität

eine Eisbrecherfrage während der Vorlesung:
“macht jemand bei ihnen agile entwicklung?”
“ick wär’ froh, wenn wir uns überhaupt bewegen würden.”

das eis war gebrochen.

mein #35c3

Mein Congresserlebnis war toll. Ich war zum fünften Mal da. Da. Zu Hause.
Diesmal habe ich mich als Mentor gemeldet um Neulingen den Congress zu erklären.
Für die Neulinge gibt es eine ToDo-Liste, um sie etwas zu Leiten, wenn sie vor lauter Eindrücke nicht mehr wissen was sie machen sollen.
Analog dazu habe ich aufgeschrieben, was ich gemacht habe.

Ich habe …

  • Im Bällebad mit Laptop gesessen
  • Ein digitales Mikroskop aus RasPi und 3d-gedruckten Teilen erklärt bekommen (OpenFlexure)
  • Mit einem Bobbycar eine Rampe hinab gesaust – drei Mal. Huiii!
  • Schiffeversenken auf einem Netzwerk-Switch gespielt
  • Einen mündlichen Bugereport abgegeben
  • Einen Gutschein für Wurst gefunden und eingelöst
  • An einer digitalen Slot-Machine einen weiteren Wurstgutschein erspielt
  • Neulingen den Congress erklärt (via Chaospatinnen als Mentor)
  • Den Mentee in einer Engelsschicht an Tag 4 wieder getroffen
  • Einen verbotenen Bereich betreten
  • Mit lustigen fremden Leuten abgehangen
  • Mit Bekannten getroffen und unterhalten
  • Holgi getroffen und mit ihm gesprochen
  • Ein Framework für Kisten aus Lasercutter-Sperrholz ausprobiert (bckspc.de/boxes.py)
  • Leuten beim Löten geholfen
  • Ein hochbegabtes Kind getroffen und eingeschüchtert gewesen
  • Aufkleber gesammelt
  • Am künstlichen Lagerfeuer gechillt
  • Der Chaos.Social-Mastodon-Instanz beigetreten
  • BottleDropPoint-Füllstände gemeldet
  • In einem Baumhaus gesessen
  • Zu Musik getanzt
  • Im Discodrama “was Leckeres” getrunken
  • Ein kooperatives Spiel mit Körpereinsatz gespielt und gewonnen: Leuchtpunkte elektrisch miteinander verbinden
  • Auf einem Sofa eingeschlafen
  • Jemanden zum Lachen gebracht
  • Auf einem Drum-Sampler zusammen mit anderen Leuten Musik gespielt
  • Auf einem kleinen Haus gestanden
  • Barcodes eingescannt
  • Mit Engeln gesprochen
  • Mit dem Fahrstuhl von ganz oben nach ganz unten gefahren und die Aussicht genossen
  • Eine Mate an einen Fremden verschenkt
  • Fernseher-Interferenz Installationen manipuliert
  • Eine Tesla-Spule gesehen und Ozon gerochen
  • In einem digitalen Kaleidoskop gesessen und gespielt
  • Schlieren-Fotografie erklärt bekommen (Luftdichte-Veränderung)
  • Ein SIP-/DECT-Telefon eingerichtet und jemanden angerufen
  • Den traurig trötenden Fahrradschlauch bemitleidet
  • Die Vergangenheit einer anderen Person betrachtet während die eigene Gegenwert aufgezeichnet wurde
  • Fliegen als Quelle für Zufall identifiziert
  • Gekichert als die Entropie abnahm, weil die Fliegen starben
  • Einen zellulären Automaten verändert
  • Für einen Newsletter angemeldet
  • Meine Factorio-Fabrik erklärt
  • Etwas Geld gespendet
  • Viel Mate getrunken
  • Ein Photo mit Leuten gemacht und dabei auf Privatsphäre und Einverständnis geachtet
  • Fremde Flaschen und Müll Weg geräumt
  • Einen nicht öffentlichen Einblick bekommen
  • Ein Namensschild gedruckt
  • Leute überrascht
  • Das Datum vergessen
  • Auf das kaputte Web-Backend zweier Installationen zugegriffen
  • Über Verschwörungstheorien gelacht (“Birds aren’t real – they are government surveillance drones.”)
  • Über Verschwörungstheorien nachgedacht (“this sentence is false. – no completely descriptive and internally consistent axiomatic set exists”).
  • Mich im Hotel über das langsame Netz gewundert und mich dann erinnert, dass das nur auf dem Congressgelände ordentlich funktioniert
  • Einen Ärger aufgeschrieben und gegen einen anderen am AngerExchangePoint getauscht
  • Einen BoneConduction Kopfhörer auf einem Kopf entdeckt, Erfahrungberichte ausgetauscht und ausprobiert. Ist geil werde ich kaufen.
  • Zum ersten Mal einen kleinen Schalter im Kabel hinter einem Steckernetzteil gesehen. Macht das Gerät stromlos ohne, dass man den Stecker ziehen muss.
  • Habe einen Elektro Roller ausprobiert und war begeistert (Xiaomi X365).
  • Beim Abbau geholfen.
  • Während des Abbaus einen grandiosen Moscow Mule bekommen
  • Eine fremde Engel-Badge getragen, die Martin Sonneborn signiert hat
  • Ein kostenloses Engel-Essen bekommen
  • Jemanden auf einem Elektroroller fahren gesehen, der einen Palettenwagen zieht, auf dem eine Palette lag, auf der eine Person saß
  • Mein Pfandglas an eine Person hinter mir in der Warteschlange verkauft
  • Mate gefunden
  • Eine Massenvernichtungswaffel vom WOC bekommen
  • Die Songs “Hardcore Vibes” und “No Limit” beim Waffelessen gehört. \m/
  • Eine geheime Holzhütte zwischen Containern gefunden. Es gab Musik und Sofas.
  • Das Lost & Found nach einer (nicht meiner) verlorenen Jacke befragt
  • Ein paar LED-Konfettis gefunden
  • Einen Roller ausgeliehen bekommen und zurück gegeben