zeugs.

guten morgen.

das video ist ein bisschen kitschig, die musik hilft aber beim sanften aufwachen am sonntag.

politisch korrekt deklassifizieren

“Es ist mir ein innerer Kreisparteitag.”
*gnihihi*
(via LI089)

Kommentarkultur

In unserem Intranet gab es die Kopie einer Glosse über die Doppelmoral der ehemaligen Hausbesetzer, die heutzutage Falschparkern mit Abschleppung unter Verweis auf die StVO drohen.
Weil es eine Glosse war, hat sich der Autor selbst als StVO-Nazi bezeichnet.

Ein Kommentator beschwerte sich über die Eskalation im Diskurs, weswegen man sich schon wegen Lappalien als “Nazi” beschimpfen lassen müsse.

Ich konnte nicht an mich halten und habe mit meinem Meme-Wissen an einer erklärenden Deeskalation versucht:

Die Eigenbezeichnung als “STVo-Nazi” ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass hier nur sehr eingeschränkt von einer Referenz auf Eigenschaften des nationalsozialistischen Alltages gesprochen wird.

Die Verwendung des “[$Substantiv]-Nazis” entstammt aus dem internetaffinen angloamerikanischen Sprachraum Mitte der 00-er Jahre und schreibt scherzhaft abwertend eine Intoleranz zu. Die mir erste bekannte Verwendung dieses Wortes ist der “Grammar-Nazi” und beschreibt eine Person, die in einem Streit gegnerische Argumente mit Grammatik-Kritik zu entwerten versucht.
Im Zuge der Verbreitung von Internetkultur hat dieses Sprachmem auch in der Jugendsprache der heutzutage 30-(+/-5)-jährigen Einzug gehalten. Dabei kollidiert es häufig mit der erhöhten deutschen Sensibilität für die Verbrechen des deutschen Reiches in den Jahren 1933-45.

Es handelt sich also eher weniger um eine “neue Qualität” der Diffamierung, sondern eher um eine Verständigungsschwierigkeit verschiedener Subkulturen.
Meine Empfehlung wäre eine Konkretisierung des “Nazi-Vorwurfes” zu erbitten, bevor man empört mit dem Schimpfen und Abgrenzen beginnt.
In gedruckten Zeitungen ist diese Bitte um Konkretisierung zugegebenermaßen schwierig, aber dafür hilft auch oft schon das Lesen von Schlagworten (ganz oben unter der Überschrift). [-;

Blüten aus dem Berliner r2g-Koalitionsvertrag:

Aus Zeile 145 im Zusammenhang mit Urban Gardening:
Berlin wird zur “Essbaren Stadt”.

Meine Wortspielmaschine springt an:
Eat moar dirt!
Eisenbeißer bei der Arbeit.
Friede den Hütten, Esst die Paläste!

Ansonsten habe ich aber überwiegend Gutes von dem Koalitionsvertrag gehört. In Zeiten von lauten und radikalen Positionen macht schon der sichtbare Wille zur Einigung ein bisschen Hoffnung.
(via http://www.die-linke-berlin.de/fileadmin/download/2016/161116_Koalitionsvertrag_finale_Fassung.pdf)

von einer die Auszog das Fürchten zu lernen

Ich arbeite im Öffentlichen Dienst. An einer Schnittstelle zwischen IT und Fachbereich. Ich übersetze zwischen Soziotopen, suche Fehler und schaffe Struktur in einer organisch wachsenden Umgebung.
Mir wird dabei eher nicht langweilig. Okay, das ist eine euphemistische Umschreibung für die erdrückende Menge an Arbeit die zu erledigen ist.
Aber an manch anderen Stellen ist der öffentliche Dienst überdurchschnittlich strukturiert und robust aufgestellt. Aus Arbeiter-Perspektive ist das sehr lobenswert, wenn man Arbeit geordnet zugeführt bekommt. Also wenn es klare Zuständigkeiten gibt. Nicht nur weil man dann sagen kann, dass man nicht zuständig ist sondern auch gleichzeitig jemanden benennen kann, der es ist.
Manche Mitarbeiter sind von dieser Struktur aber unterfordert, geradezu gelangweilt.
Und so durchfuhr mich ein ehrfurchtsvolles Lachen, als ich von einer Einkäuferin hörte, der es bei uns zu langweilig wurde und dann beim Flughafenprojekt BER arbeiten wollte. Wegen der Herausforderung.
Ich halte mich für furchtlos und wagemutig. Aber vor dieser Entscheidung ziehe ich hochachtungsvoll meinen Hut.

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