Shibboleth

Tägliches Pendeln in der S-Bahn. Ich betrete den Wagen. Es gibt doppelt so viele Sitzplätze wie Reisende. Alle haben ihren Platz gefunden und bereiten sich gedanklich auf die Reise vor.
Man orientiert sich im neuen Lebensraum. Man sieht sich um und bereitet sich darauf vor, die sozialen Interaktionen herunter zu fahren um die Umgebung so wenig wie möglich zu stören. Menschen versenken sich in ihre Mobiltelefone, schauen aus dem Fenster, hören Dinge und starren ins Leere. Wenn sich Blicke treffen, schaut man schnell an eine Stelle.
Die Reise beginnt. Wenn alles gut geht, verharrt diese Konstellation bis zur nächsten Station. Dann wird man kurz wach werden, die veränderte Situation sortieren und sich wieder in den Reisezustand versetzen.

In diesem Zustand des schlafwandlerischen Analysierens entdecke ich manchmal Anomalien.
Mir diagonal gegenüber sitzt ein Mann. Die Beine mir abgewandt übereinander geschlagen. Unbewusst sitzen und handeln wir spiegelsymmetrisch. Mein Blick wandert über seine Hände. Seine Fingernägel sind mit Glitzerlack überzogen. Ich bin kurz irritiert und taxiere ihn erneut gesamt. Er bemerkt meinen Blick und wir sehen uns an.
Es ist ein ganz kurzer Moment des Zweifels zu spüren. Wie reagiert der Fremde auf diese Abweichung? Ich lächle. Er lächelt zurück. Wir erkennen uns und ziehen uns wieder zurück in unsere solitäre Reisegestalt.
Das Lächeln bleibt noch einige Zeit erhalten.

Draußen.

Im Club.
Uhrzeit: halb zwei.
Der Abend fängt gerade an.
Ich: tanzend.
Der DJ: eskaliert.
Ein Typ kommt auf mich zu.
Kommunikationsprotokollinitialisierung: Fistbump.
Er beugt sich an mein Ohr und ruft: “deine Frisur ist voll stabil!”
Ich lächle und nicke im zu.
Das Herz eines fast vierzig Jährigen weitet sich zu einem saftigen Steak. Der Saft ist Lebensglück.
Die nächsten Stunden: Darkroom-Aerobic.

mein #35c3

Mein Congresserlebnis war toll. Ich war zum fünften Mal da. Da. Zu Hause.
Diesmal habe ich mich als Mentor gemeldet um Neulingen den Congress zu erklären.
Für die Neulinge gibt es eine ToDo-Liste, um sie etwas zu Leiten, wenn sie vor lauter Eindrücke nicht mehr wissen was sie machen sollen.
Analog dazu habe ich aufgeschrieben, was ich gemacht habe.

Ich habe …

  • Im Bällebad mit Laptop gesessen
  • Ein digitales Mikroskop aus RasPi und 3d-gedruckten Teilen erklärt bekommen (OpenFlexure)
  • Mit einem Bobbycar eine Rampe hinab gesaust – drei Mal. Huiii!
  • Schiffeversenken auf einem Netzwerk-Switch gespielt
  • Einen mündlichen Bugereport abgegeben
  • Einen Gutschein für Wurst gefunden und eingelöst
  • An einer digitalen Slot-Machine einen weiteren Wurstgutschein erspielt
  • Neulingen den Congress erklärt (via Chaospatinnen als Mentor)
  • Den Mentee in einer Engelsschicht an Tag 4 wieder getroffen
  • Einen verbotenen Bereich betreten
  • Mit lustigen fremden Leuten abgehangen
  • Mit Bekannten getroffen und unterhalten
  • Holgi getroffen und mit ihm gesprochen
  • Ein Framework für Kisten aus Lasercutter-Sperrholz ausprobiert (bckspc.de/boxes.py)
  • Leuten beim Löten geholfen
  • Ein hochbegabtes Kind getroffen und eingeschüchtert gewesen
  • Aufkleber gesammelt
  • Am künstlichen Lagerfeuer gechillt
  • Der Chaos.Social-Mastodon-Instanz beigetreten
  • BottleDropPoint-Füllstände gemeldet
  • In einem Baumhaus gesessen
  • Zu Musik getanzt
  • Im Discodrama “was Leckeres” getrunken
  • Ein kooperatives Spiel mit Körpereinsatz gespielt und gewonnen: Leuchtpunkte elektrisch miteinander verbinden
  • Auf einem Sofa eingeschlafen
  • Jemanden zum Lachen gebracht
  • Auf einem Drum-Sampler zusammen mit anderen Leuten Musik gespielt
  • Auf einem kleinen Haus gestanden
  • Barcodes eingescannt
  • Mit Engeln gesprochen
  • Mit dem Fahrstuhl von ganz oben nach ganz unten gefahren und die Aussicht genossen
  • Eine Mate an einen Fremden verschenkt
  • Fernseher-Interferenz Installationen manipuliert
  • Eine Tesla-Spule gesehen und Ozon gerochen
  • In einem digitalen Kaleidoskop gesessen und gespielt
  • Schlieren-Fotografie erklärt bekommen (Luftdichte-Veränderung)
  • Ein SIP-/DECT-Telefon eingerichtet und jemanden angerufen
  • Den traurig trötenden Fahrradschlauch bemitleidet
  • Die Vergangenheit einer anderen Person betrachtet während die eigene Gegenwert aufgezeichnet wurde
  • Fliegen als Quelle für Zufall identifiziert
  • Gekichert als die Entropie abnahm, weil die Fliegen starben
  • Einen zellulären Automaten verändert
  • Für einen Newsletter angemeldet
  • Meine Factorio-Fabrik erklärt
  • Etwas Geld gespendet
  • Viel Mate getrunken
  • Ein Photo mit Leuten gemacht und dabei auf Privatsphäre und Einverständnis geachtet
  • Fremde Flaschen und Müll Weg geräumt
  • Einen nicht öffentlichen Einblick bekommen
  • Ein Namensschild gedruckt
  • Leute überrascht
  • Das Datum vergessen
  • Auf das kaputte Web-Backend zweier Installationen zugegriffen
  • Über Verschwörungstheorien gelacht (“Birds aren’t real – they are government surveillance drones.”)
  • Über Verschwörungstheorien nachgedacht (“this sentence is false. – no completely descriptive and internally consistent axiomatic set exists”).
  • Mich im Hotel über das langsame Netz gewundert und mich dann erinnert, dass das nur auf dem Congressgelände ordentlich funktioniert
  • Einen Ärger aufgeschrieben und gegen einen anderen am AngerExchangePoint getauscht
  • Einen BoneConduction Kopfhörer auf einem Kopf entdeckt, Erfahrungberichte ausgetauscht und ausprobiert. Ist geil werde ich kaufen.
  • Zum ersten Mal einen kleinen Schalter im Kabel hinter einem Steckernetzteil gesehen. Macht das Gerät stromlos ohne, dass man den Stecker ziehen muss.
  • Habe einen Elektro Roller ausprobiert und war begeistert (Xiaomi X365).
  • Beim Abbau geholfen.
  • Während des Abbaus einen grandiosen Moscow Mule bekommen
  • Eine fremde Engel-Badge getragen, die Martin Sonneborn signiert hat
  • Ein kostenloses Engel-Essen bekommen
  • Jemanden auf einem Elektroroller fahren gesehen, der einen Palettenwagen zieht, auf dem eine Palette lag, auf der eine Person saß
  • Mein Pfandglas an eine Person hinter mir in der Warteschlange verkauft
  • Mate gefunden
  • Eine Massenvernichtungswaffel vom WOC bekommen
  • Die Songs “Hardcore Vibes” und “No Limit” beim Waffelessen gehört. \m/
  • Eine geheime Holzhütte zwischen Containern gefunden. Es gab Musik und Sofas.
  • Das Lost & Found nach einer (nicht meiner) verlorenen Jacke befragt
  • Ein paar LED-Konfettis gefunden
  • Einen Roller ausgeliehen bekommen und zurück gegeben

Hitlerwitz

Ich war mit Freunden in Berchtesgaden und habe mich von den Alpen beeindrucken lassen. Nebenbei gab es das Kehlsteinhaus und eine Besichtigung des zweiten Führerhauptquartiers.
Hitlerwitze waren unvermeidbar:

Nächsten Monat nur im Stern: des Führers Backbuch – fünfzig vegetarische Kuchen mit nur einem Ei.