tröpfchen.

das schönste textfragment des vergangenen klassentreffens war:

saalfeld kämpft gegen die schleichende geriatrifizierung der innenstadt.

visit.

mein telefon klingelte. ein unbekannter teilnehmer. jakob war dran. er rief von einer telefonzelle an. er sei gerade in der stadt unterwegs und könnte, wenn ich zeit habe, in etwa einer stunde bei mir sein.
ich musste noch einkaufen gehen, aber das wäre in einer stunde erledigt.
super. er kam dann auch relativ pünktlich und bewies wiedermal, dass meine klingel – klingelt man unten an der haustür – viel zu leise ist.
ich hatte bei meinem bäcker für nen halben apfel und kein ei ein paar gebäckstücke besorgt. wir haben etwas geplaudert, software zur rettung seines handys ausgetauscht und handwerkliche komplettierung meiner wohnung geplant.
nebenbei fiel noch ein netter ideentransfer ab: meine idee mit buntem papier aus der “spiralleuchte” – die früher zwischen den beiden wohnzimmerfenstern stand – haben wir mal fix auf die provisorischen lampenfassungen in der küche und dem neuen wohnzimmer übertragen. einfach ein buntes blatt papier zu einem kegel gebogen, mit klebestreifen fixiert und über die fassung der glühbirne gestülpt.
das licht ist jetzt deutlich wärmer und angenehmer als aus bloßen stromsparlampen.

schön. so habe ich mir die neue beziehung zu meinem bruder vorgestellt.

hauptstadtgeflüster.

heute von einem betrunkenen:

der wetterbericht ist ein imperialistisches machtinstrument.

lustiger weise war ich gerade viel zu warm angezogen und lief mit dicker jacke in strahlender sonne an ihm vorbei.

regaining confidence.

das assoziationskettenmassaker hat wiedermal mit einem einfachen klick angefangen:
das edelprofil der piratenpartei im studiVZ. man hat dort ein video zur selbstdarstellung eingebunden. einfacher text zur musik “under black flag” von david rovics.
mit pornophonique habe ich schonmal gute erfahrungen mit musikikalischer untermalung rebellischer videos gemacht und habe hier deshalb auch einfach mal etwas gegoogelt.

schnell kam ich auf die homepage von david rovics und weil mich seine musik zumindest hörbar und interessant fand, klickte ich mich zu der seite durch, auf der es die kostenlosen downloads gibt.
angenehmer weise fing dort auch gleich die verfügbare musik in einem flashplayer an zu dudeln – zu allererst “operation iraqi liberation (OIL)” – und ich mich entschloss erstmal etwas länger reinzuhören und auf seiner seite weiter zu belesen.
der mann ist also ein liedermacher. deshalb stellt er seine lieder sowohl kostenlos als auch per kaufbares album zur verfügung. spenden darf man auch. er hat zwar eine myspace seite, twittert aber auch und ist bei facebook angemeldet. weiterhin gibt es ein photoalbum. inzwischen läuft im flashplayer in einem anderen tab “i’m a better anarchist than you”.
neugierig klicke ich auf das photoalbum. ein mann über vierzig der picasa benutzt? das interessiert mich.
er hatte gewarnt, daß die bilder größtenteils leila zeigen. ich ahne, daß es um seine tochter geht. zu sehen gibt es drei alben ich klicke ziellos auf das mittlere.
während ich so durch die bilder klicke und im hintergrund die lieder höre, durchströmt mich eine seit langem nicht mehr erlebte zuversicht.

zum nachvollziehen der schnellkurs: musikbilder
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guilt.

im moment sterben leute um mich herum.

zu meinem geburtstag wollte ich ich einen tisch im wahrscheinlich besten restaurant saalfelds vorbestellen. ich rufe an. einen tisch bitte. geht nicht, das restaurant ist geschlossen … und wird auch nicht wieder eröffnen. ein tragischer todesfall in der familie. der besitzer erkannte wohl meine stimme wieder am telefon und ging ins detail. sein sohn ist dem plötzlichen kindstod erlegen. schock. etwas in meinem brustkorb verkrampft sich. ein “herzliches beileid” kam mir da nicht über die lippen. ich halte es für eine geheuchelte ausgeleierte floskel. im ersten moment der erdrückenden verlegenheit ist es mir beinahe über die lippen gehuscht aber ich konnte mich zusammen reißen. meine reaktion zeigt mehr anteilnahme als es mit worten möglich gewesen wäre auszudrücken.

tage später kommt mir der gedanke genauere informationen einzuholen. was ist das eigentlich, der plötzliche kindstod? kinder sterben doch nicht einfach so. oder doch? naja, die wikipedia ist natürlich der erste anlaufpunkt. dort spricht man von einer wissenschaftlich ungeklärten ursache. das einholen einer zweiten googelmeinung brachte mich schnell auf die seiten des verfechters jener wissenschaftlichen meinung, die in der wikipedia als unzureichend und international nicht anerkannt gilt – zusammen mit einem onlineshop, der die passende gegenmaßnahme zum plötzlichen kindstod verkauft.
die frage, warum sich die wissenschaftliche gemeinschaft und staatliche verantwortungsträger trotz der vermeintlich erdrückenden beweislast gegen eine anerkennung seiner forschungsergebnisse wehrt, beantwortet er in etwa so: die erkenntnis der ursachen des plötzlichen kindstodes implizieren die unbequeme wahrheit, daß die betroffenen eltern durchaus eine teilschuld am tod ihres eigenen kindes tragen könnten. dies den traumatisierten eltern mitzuteilen fällt schwer.

und ich als halb betroffener sitze nun zwischen den stühlen. auf der einen seite sehe ich einen mann der nicht mehr lachen kann. auf der anderen seite habe ich im nachhinein möglicherweise das wissen bekommen wie diese tragödie zu verhindern gewesen wäre, traue mich aber unter gar keinen umständen ihn darauf hinzuweisen. schon gar nicht mit dem zweifel im hinterkopf, daß derjenige, der da seine forschungsergebnisse publiziert dies möglicherweise als geschäftsidee betreibt.

ich beschließe diese zweifel zu begraben und den trauernden mit dem angebachten maß an respekt zur seite zu stehen, so weit mir das möglich ist. wiedergutmachung kann es in solch einem fall nicht geben.