ruhe vor

gerade habe ich in einer absolut ruhiglaufenden ubahn gesessen. das ist ungewöhnlich. die meisten, nein eigentlich alle, bahnen ruckeln die ganze zeit rum, wenn sie nicht gerade an einer haltestelle stehen. selbst auf den geradesten strecken. ständig muss beschleunigt werden oder abgebremst und wenn die geschwindigkeit konstant bleibt, dann ruckelt das 120-tonnen schwere geschoss von einem gleis auf das andere.
nur gerade eben nicht. die bahn lief absolut ruhig in den bahnhof herrmannplatz ein. also mit so einer ruhe die einen durchströmt, wenn man an einem wintermorgen aufwacht und sich plötzlich gewahr wird, dass das vogelgezwitscher des sommers verstummt ist. im bewusstsein dieser laufruhe fühlte sich sogar das bremsen ruhig an. und dann kamen an den beiden türen links und rechts von mir lärmende pubertierende schulkinder auf klassenfahrt in den waggon gequollen. also diese klischeehaft laute melange aus frischestem hormonellen erwachen, ads, photoapparaten und geltungsbedürfnis.
nach dem sich mein entsetzen etwas gelegt hatte, musste ich grinsen: so fühlt sich also die ruhe vor dem sturm an.

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