In der S-Bahn sitzt mir gerade ein kleiner Junge gegenüber der aufgeregt freudig in einem alten Buch blättert. Er scheint gerade Zahlen zu lernen, denn er liest seiner Mutter ganz stolz die Seitenzahlen vor. Sehr irritiert bekomme ich mit, dass die Mutter Spielgeldscheine in das Buch schiebt um den Sohnemann zum weiterblättern zu animieren. Und er hat Spaß daran die Papierschnipsel zu finden. Voller Stolz liest er der Mutter die Seitenzahlen vor und wenn er den Anschein macht das Interesse an dem Buch zu verlieren, dann feuert ihn die Mutter wieder an “da ist noch mehr Geld in dem Buch, such es mal“.
Ich bin irritiert. Einerseits finde es ja toll, wenn Eltern mit ihren Kindern spielen und sich Gedanken um ihre Entwicklung und ihr Lernen machen. Aber muss es denn so sein? Geld so mit einem Erfolgserlebnis zu verknüpfen halte ich für nachhaltig prägend.
Insofern habe ich also gerade eine gefährlich dumme oder eine ausgesprochen perfide Erziehungsmethodik beobachtet. Was es genau war, fällt mir um so schwerer einzuschätzen weil ich gerade höre, dass der Junge in einen zweisprachigen Kindergarten geht.
Seltsame Welt.