nach der arbeit. ich bin auf dem heimweg und warte auf die bahn. der lautsprecher kräht: “wegen einer bombenentschärfung ist der s-bahn-verkehr momentan nur bis zum treptower park möglich.” man sieht förmlich wie eine beklemmende stimmung von den wartenden auf dem bahnsteig besitz ergreift. scheues umherschauen. angestrengtes dösen.
zwei minuten später die gleiche durchsage erneut. diesmal ist sie etwas abgehackt: “wegen ei… bombenentschärfung … der s-bahn-verkehr …entan nur bis zum treptower park …lich.”
die anzeige springt unregelmäßig zwischen “treptower park” und “südkreuz” um. ich befinde mich in tempelhof und somit zwischen den beiden angezeigten endstationen stationen. leute schauen irritiert und zunehmend nervös auf die anzeige. erste befragen das bahnpersonal: wo fährt die bahn denn nun hin? was ist denn los? warum hat die bahn ihre technik nicht im griff? der bahnsteig füllt sich. unter uns hat schon die dritte ubahn einen schwall ihrer passagiere ausgespien.
ich stehe mit leichtem grinsen daneben und nehme unauffällig die stimmung auf. der clown in meinem kopf will die ganze zeit rufen oh mein gott! bombenterror! wir werden alle sterben! aber ich reiße mich zusammen. die ernste mine kann sich behaupten und wird nachdenklich. ich muss an den geifernden wutausbruch von kanzler sutler denken, der da seine untergebenen anschreit.
die bahn fährt ein, menschen setzen sich in bewegung. nicht wenige schauen noch einmal unsicher auf die wankelmütige anzeigetechnik. kurz nachdem die türen die vielen leute vom bahnsteig eingeschlossen haben, eine durchsage vom fahrer: bombenentschärfung … kein verkehr … umfahren mit der linie … ich wiederhole: bombe! … totenstille in der vollen bahn. nur der kanzler schreit in meinem kopf.
stunden später stellt sich zuhause zwar raus, dass es doch nur eine fliegerbombe aus dem zweiten weltkrieg war. aber der eindruck wie verändert menschen, allein schon beim wort bombenentschärfung, werden hinterlässt einen echt befremdlichen beigeschmack. und der kanzler schreit immernoch in meinem kopf: ich will, dass dieses land erkennt, dass wir an der grenze der vernichtung stehen! ich will, dass sich jeder mensch daran erinnert, wieso man uns braucht!
