H

 

Hachtel, die

Eine alte Frau, die in Ihrer Gegenwart immer fürchterlich begeistert und überrascht tut, um anschließend all ihren Freundinnen zu erzählen, was für ein sittenloser, verlotterter Widerling Sie sind.

Hagnau (Adj.)

Exakt und auf äußerst befriedigende Art und Weise passend. Hagnau ist z.B. die Pappschachtel, die ohne anzuecken in einen Freiraum an der Garagenwand gleitet, oder das Buch, das die Lücke im Bücherregal präzise schließt.

Hallau, der

Ein fröhlicher Jemand, der, obwohl man nicht mit ihm befreundet sein möchte, in Dreivierteljahres-Intervallen anruft und vorschlägt, daß man sich bald mal wieder sehen sollte.

Hallein (V.)

Nachts Krach schlagen, um potentielle Einbrecher darüber zu informieren, daß man zu Hause ist.

Halstroff, das

Eine Tipp-Ex-Flasche nach der fünfzigsten Benutzung.

Hameln (V.)

Ein Buch, einen Film oder eine Fernsehserie preisen, weil alle es/ihn/sie preisen, obwohl man nicht sicher ist, ob man es/ihn/sie nicht eigentlich vollkommen schwachsinnig findet.

Hamswehrum, der

Fachbegriff aus der Haustierzubehör-Branche: Ein sündhaft teurer Mini-Windglider aus Seide, mit dem sich der verwöhnte Hamster die Zeit vertreiben kann, wenn Frauchen keine Lust hat, mit ihm zu reden.

Happerschoß, das

Das, was kleine Kinder an die Küchenwände schießen, sobald sie herausgefunden haben, wie man Brei und einen mit dem Zeigefinger gespannten Plastiklöffel am effektivsten einsetzt.

Harrislee, der

Jemand, dessen Leben sich keinen Deut verändert zu haben scheint, wenn man ihn nach zehn Jahren wiedertrifft.

Hasenriegl, der

(Med.:) Heftige, mit krampfhaftern Überbiß einhergehende Gesichtsstarre, die von schockierenden Mitteilungen ausgelöst wird.

Haspelschiedt, der

Das, was man wie aus der Pistole geschossen stammelt, um einem unerwartet das Zimmer betretenden Menschen zu erklären, was man gerade tut. (s. a. Bischofswerda)

Hassum, die

Eine Schmeißfliege, die man vor lauter Müdigkeit nicht an die Wand klatschen kann, obwohl man andererseits nicht müde genug ist, trotz der von ihr verursachten Geräuschkulisse einzuschlafen.

Hauerz, der

Der Augenblick, in dem man mit den Plomben kraftvoll auf Alufolie beißt.

Heblos (Adj.)

Chronisch unfähig, seine Unterhosen aufzusammeln und eigenhändig in die Waschmaschine zu stopfen.

Heddert, das

Ein locker fallendes Kleidungsstück aus Wolle, das bis zu den Knien reicht, mindestens drei Armlöcher hat und seine Entstehung der ebenso wohlmeinenden wie inkompetenten Tante des Trägers verdankt.

Heddert

Heersum, das

Das eigentümlich unmelodische Summen und Pfeifen extrem wütender Menschen.

Heftrich, der

Ein Gast, der einfach nicht wieder geht.

Heimicke, die (Pl.)

Die lüsternen Blicke, die Sechzehnjährige auf einer Familienfeier austauschen.

Heitel, der

Jemand, der ihm vollkommen unbekannten Personen unbekümmert "Kopf hoch, wird schon gutgehen" zuruft.

Heldrungen (Adj.)

Sich in freier, einsamer Natur rundum wohl und erhaben fühlend. Beschreibt das angenehme Gefühl, das sich bei einer langen Moorwanderung mit Gummistiefeln und kalten Ohren einstellt.

Helmern (V.)

Aufmerksam nicken, während jemand einem Dutzende komplizierter Hinweise gibt, die man sowieso gleich wieder vergessen haben wird.

Helsinki (Adj.)

Sich nach einer heldrungenen Phase angesichts einer frühestens in zwei Stunden öffnenden Kneipe kein bißchen wohl oder erhaben mehr fühlend.

Hemme, die

Die Art Mensch, die nach Hause gehen muß, bevor sich eine Gruppe entspannt amüsieren kann.

Hengelo, der

(Poet.:) Ein Schutzengel, auf den man sich lieber nicht verlassen sollte. Auch: Situationen wie z.B. die, in der man sich befindet, nachdem man eine größere Gruppe unfreundlicher Afrikaner spaßeshalber gefragt hat, ob sie mal ein bißchen schwarzen Humor zum besten geben könnten.

Hennef (Adj.)

Etwas mit seitlich geneigtem Kopf und auf dem Rücken verschränkten Armen betrachtend. Beschreibt die Körperhaltung, die man beim Inspizieren der Bücherregale anderer Leute einnimmt.

Hentern (V.)

Jemandem, der einen zu Recht kritisieren will, den Wind aus den Segeln nehmen, indem man ihn sofort dermaßen üppig mit Komplimenten überschüttet, daß er schon nach wenigen Sekunden nicht mehr weiß, was, er eigentlich hatte sagen wollen.

Hermentingen, das

Geräusch in einem Aufzug voller Menschen, die alle versuchen, durch die Nase zu atmen.

Heroldingen (V.)

Vorgeben, man habe das Buch, Über das gerade angeregt diskutiert wird, gelesen, obwohl man nur die Verfilmung kennt.

Herpf, der

Der Drehknopf an einem Herd, den man ständig, auf "Null" zu stellen vergißt.

Herzogenweiler, der

Jemand, der seinen Gesprächspartner nicht merken laßt, wie sehr ihn dessen taktlose oder beleidigende Bemerkung verletzt hat.

Hetzlos (Adj.)

Gleichzeitig äußerlich ruhig und innerlich hektisch. Hetzlosigkeit stellt sich ein, wenn man auf einer überfüllten Rolltreppe zu einem U-Bahngleis hinunterrollt, auf dem die U-Bahn, die man unbedingt erwischen muß, schon seit geraumer Zeit mit offenen Türen wartet.

Hexenagger, der

Ein eingeklemmter Nerv im Nacken, der einen wirksam daran hindert, anderen Leuten ins Gesicht zu sehen.

Hilfikon, die

Eine alljährlich in Timmendorf stattfindende Konferenz für Leute, die zu keiner anderen Konferenz eingeladen wurden.

Hilter, der

Ein politischer Agitator, der bei den Massen nicht ankommt, weil er sich ständig verspricht.

Hindelang, der

Ein Unbekannter, der einem plötzlich in den Intimbereich grabscht und dann behauptet, er habe lediglich einen Sturz vermeiden wollen.

Hindersten Hütten, die (Pl.)

Sammelbegriff für alle Dörfer und Ortschaften, die weiter als einen Kilometer von der nächsten Autobahnauffahrt entfernt liegen.

Hintergern, der

Jemand, der seine Hilfe immer erst anbietet, nachdem alles erledigt ist.

Hinterglemm, die

Die Tasche am unteren Ende von Sessellehnen, in der man bevorzugt 10-Pfennig-Stücke und Legosteine aufbewahrt.

Hinterhub, der

Man gerät in einen Hinterhub, indem man sich ausgiebig und endgültig von einer größeren Gruppe von Partygästen verabschiedet und dann auf der Straße bemerkt, daß man seinen Schal vergessen hat.

Hinterzarten (V.)

(Rhetorisch: ) Jemanden durch geschicktes, sanftes Fragen dazu bewegen, etwas zu tun, was er andernfalls nicht tun würde.

Hippach, der

Ein vierzigjähriger, hundert Kilo schwerer Mann, der sich im Zuge einer vorübergehend durch den Blätterwald schwappenden Schlankheitswelle entschlossen hat, durch intensives Joggen Selbstmord zu begehen.

Hittfeld, das

Ein gräßlicher blauer Fleck, von dem man nicht weiß, wo und wie man ihn sich zugezogen hat.

Hochfilzen, (V.)

Jemanden mit beiden Händen an die Fußknöchel fassen und sich dann langsam an Innen- und Außenseite des Beines in Richtung Schritt vortasten. Leider nur bei Flughafenpersonal verbreitet.

Hochgurgl, der

Das kleine Ding, von dem man immer glaubt, es stecke einem im Hals, nachdem man sich übergeben hat.

Hockeln (V.)

Den Stuhl, auf dem man sitzt, so kippen, daß er nur noch auf den Hinterbeinen steht, sich an der Tischplatte festhalten und fröhlich vor Porzellansammlungen oder spitzen Gegenständen herumwippen.

Hockenheim, das

Ein Auto, das von Hüttengesäßen mit Lebensmittel- und Flüssigkeitsvorräten für zwei Wochen beladen wird, um anschließend zwischen Millionen anderer Hockenheime in endlosen Staus zu glänzen.

Hodenhagen, der

Ein Mann, der ziemlich eigenartige Vorstellungen von Romantik hat.

Högel, das

Verschieben des Riemens einer schweren Tasche oder des Schultergurtes eines vollen Rucksacks. Man wendet das Högel an, um sich zumindest die Illusion einer Erleichterung zu verschaffen. Auch: Das falsche, herzliche Auflachen nach einer unkomischen Bemerkung. "Jasmin ließ ihn ein lautes Högel hören und erlaubte ihm einen Blick in die Abgründe ihres Selbst." Virginia Woolf.

Höngg, der

Ein weltweit unbekannter Mensch, der unerklärlicherweise vom Verfassen kritischer Nachworte leben kann.

Hörnitz, das

Kleines, im Innenohr verborgenes Ventil, das taube Omas in die Lage versetzt, sich bei entsprechender Laune ganz normal zu unterhalten, aber alles, was entfernt nach einer Aufforderung zum Tischdecken klingt, rigoros unterdrückt.

Hörste, das

Ein Geräusch, das man (meistens nachts) in einem fremden Haus hört, wegen seiner Kürze und seines unregelmäßigen Erklingens jedoch weder identifizieren noch räumlich zuordnen kann.

Höwisch, das

Grotesk geformtes Staubtuch, das einem die eigene Mutter in die Hand gedrückt hat und das sich bei näherer Betrachtung als halbierte Unterhose entpuppt.

Hohenaverbergen (V.)

Sich im ersten Stock verstecken und so tun, als sei man nicht zu Hause, wenn die Jungs von der Kriegsgräberfürsorge oder die Zeugen Jehova ihre Runde machen.

Hohenbucko, der

Aufwärts-Hocke. Zu beobachten bei sitzenden Leuten, die ihre Beine und Füße anheben, um einem Staubsauger Platz zu machen.

Hohenmocker, der

Seitenblick, den feine Leute in Richtung eines Menschen abfeuern, der zu irgendeinem Anlaß die verkehrten Schuhe trägt.

Holewang, die

Die Stelle, an der man Essen hamstern kann, nachdem einem ein Zahn gezogen wurde. Gewisse Beduinen sind in der Lage, sich bis zu sechs Wochen aus einer gut gefüllten Holewang zu ernähren.

Hollern, das

Lautes, unerklärliches Rumpeln in den Heizungsrohren alter Hotels, das man bevorzugt ab fünf Uhr morgens zu hören kriegt.

Holnis, die

(Soziologischer Fachbegriff: ) Zwang, sich ständig irgendwelchen Ramsch (CD-Player, Mikrowellengeräte etc.) zu kaufen, um den Arbeitsstreß und -frust zu kompensieren, den man auf sich nehmen muß, um genug Geld zu verdienen, seiner Holnis zu fröhnen.

Holzappel, das

Mit hektischen Zuckungen einhergehende Nervosität, die einen an Holnis Erkrankten überkommt, wenn er sich längere Zeit keinen neuen Ramsch zugelegt hat.

Holzbalge, die

Ein kleines, tückisches Kind, das sehr, sehr sanft stolpert und umfällt, sich vergewissert, daß jemand in der Nähe ist, und dann losbrüllt, was das Zeug hält.

Holzolling, der

Ein scheußliches Spanplatten-Furnier-Möbelstück, das man in einem vorörtlichen Ausfallstraßen-Möbeldiscount gekauft hat und das wie geschaffen ist, einen kompletten Jahrgang Wochenendbeilagen in sich aufzunehmen.

Horka, das

Ein Lachen, das einem die Haare aus dem Gesicht oder die Perücke vom Kopf weht.

Hornbostel, die (Pl.)

Finger, und Fußnagelreste auf dem Teppich.

Hosenruck, der

Die Art Furz, nach dessen Abfeuerung man nur hoffen kann, daß die Leute um einen herum weiterreden.

Hotteln, das

Das aggressive Verhalten von Verkäufern, die einem High-Tech-Produkte andrehen wollen, von denen sie selbst nichts verstehen.

Huchem-Stammeln, das

Sammelbegriff für all die undefinierbaren, verlegenen Geräusche, die man ausstößt, wenn jemand den Hörer am anderen Ende der Leitung abnimmt und man feststellt, daß einem vollkommen schleierhaft ist, wen man da eigentlich gerade angerufen hat.

Huckelriede, die

Eines jener braunen, genoppten Plastikdinger, die verkehrt herum in Pralinenschachteln liegen und einemvorgaukeln, es gäbe noch eine zweite Lage.

Hüttengesäß, das

Als Hüttengesäße bezeichnet man alle Mitglieder von Familien, die an die See fahren, um dort den ganzen Tag hinter hochgekurbelten Scheiben in ihren Hockenheimen zu sitzen, Templine aufzusetzen und in Boulevardzeitungen zu blättern.

Hullern (V.)

(Nur bei Männern:) Aufgrund völlig verkehrter Vorstellungen von Männlichkeit auch nach Abschluß der Pubertät im Stehen Wasser lassen und sämtliche Badezimmerwände mit neckischen Flecken verzieren. (s. a. Kloschwitz).

Humptrup, der

Annammlung gelangweilter, entnervter, einigermaßen peinlich berührter Männer, die darauf warten, daß ihre Frauen wieder aus den Umkleidekabinen in einem Kaufhaus auftauchen.

Hundsgrün, das

Jener Gelbgrünton, der eine behagliche Atmosphäre in Krankenhäusern, eine anregende Atmosphäre in Schulen und eine bedrohliche Atmosphäre in Polizeiwachen erzeugen soll.

Hunswinkel, der

Jene Küchenecke, in der die dilettantischen Schmierereien hängen, die kleine Kinder vom Malunterricht nach Hause schleppen.

Husum, der

(Med.:) Das leise, schnarrende Pfeifen, das ein Kettenraucher allmorgendlich beim ersten tiefen Atemzug von seinen Bronchien zu hören kriegt.